Klare Zielvorgaben

Bei Mohn Media ging im Februar 2017 bereits die dritte 96-Seiten-Rotation in Betrieb, diesmal allerdings mit zwei Fließschneider-Linien von Merten Maschinenbau/IN-LOG. Bei Beilagen und Prospekten ist der Trend zu kleineren Formaten nicht zu übersehen. Hier war das Unternehmen gefordert, eine Postpress-Lösung zu finden, mit der sich auch kleinere Formate im Mehrfachnutzen mit der maximalen Geschwindigkeit von 45.000 Zylinderumdrehungen verarbeiten lassen. Merten Maschinenbau/IN-LOG hat diese Herausforderung bravourös gelöst – und das über das gesamte Formatspektrum hinweg.

„Die Technologie der 96-Seiten-Rotation passt mit ihrer Produktivität und Produktionsvielfalt exakt in unser Geschäftsmodell für den Druck von Prospekten und Werbebeilagen in großen Auflagen. Wir können damit die Kundenanforderungen in diesem anspruchsvollen Marktsegment noch besser erfüllen“, begründet Roland Witte, Geschäftsleiter Produktion und Technik bei Mohn Media, die neuerliche Investitionsentscheidung. Gerade die Haushaltwerbung mit Beilagen und Prospekten ist in Deutschland sehr stabil und wird von großen Handelskonzernen als zentraler Bestandteil des Mediamixes genutzt. Deshalb reichen die Auflagen bei Mohndruck auch bis in den zweistelligen Millionenbereich.

Jens Klingebiel (r.), Abteilungsleiter Technologie und Roland Witte, Geschäftsleiter Produktion und Technik, haben das Investitionsprojekt mit Merten Maschinenbau/IN-LOG geplant und umgesetzt.

 

Nach einer Studie der Deutschen Post gehörte 2012 die Haushaltswerbung zu den beliebtesten Werbemitteln bei Unternehmen und ihren Kunden. In Deutschland war dieser Teil des Werbemarktes (leider gibt es keine aktuellere Erhebung) etwa 7 Mrd. Euro schwer, und macht damit etwa 9 Prozent der Gesamtwerbeausgaben von etwa 76 Mrd. Euro aus. Rund 25 Prozent der werbungtreibenden Unternehmen nutzen Werbemittel für die Haushaltwerbung, weil sie wissen, dass 78 Prozent der Empfänger die Beilagen und Prospekte regelmäßig zur Einkaufsvorbereitung nutzen.

 

Beilagen und Prospekte: Ein Premiumprodukt

Speziell für den Einzelhandel spielt die rasche Verfügbarkeit der Beilagen und Prospekte eine wesentliche Rolle, um auf Veränderungen des Marktes zu reagieren. Qualitativ sind die Anforderungen in punkto Farbwiedergabe sowie Schnitttoleranzen sehr hoch. „Beilagen und Prospekte sind selbst in Großauflagen zu einem absoluten Premiumprodukt geworden“, versichert Roland Witte. Seit einigen Jahren geht der Trend stark in Richtung kleinere Formate, die den Anlagen – speziell in der Druckweiterverarbeitung – hinsichtlich Flexibilität einiges abverlangen. Auf den beiden ersten 96-Seiten-Rotationen kommen Schneidtrommeln zum Einsatz, die zwar bei DIN-A4 und größeren Formaten vollkommen problemlos funktionieren, aber bei kleineren Formaten an ihre Grenzen stoßen, was auf Kosten der Produktivität der Gesamtanlage geht. „Wir haben uns daher auf die Suche nach einer Postpress-Lösung gemacht, die das gesamte Formatspektrum bei der vollen Nettoleistung von 45.000 Zylinderumdrehungen der Druckmaschine abarbeiten kann“, betont Jens Klingebiel, Abteilungsleiter Technologie.

 

Die Druckmärkte verändern sich

Mohn Media mit Sitz im Deutschen Gütersloh ist der führende Druck- und Mediendienstleister Europas mit Kunden unter anderem aus den Bereichen Verlag, Industrie, Dienstleistung, Handel und Versand. Mit rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet Mohn Media umfassende Druckdienstleistungen und begleitet Kunden im gesamten Produktionsprozess von der Konzeption über den Druck bis zum Versand. Als Teil der Bertelsmann Printing Group gehört das Unternehmen zum größten europäischen Druckerei-Verbund, der mit 9.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Als führender Druckereiverbund Europas ist die Bertelsmann Printing Group hervorragend aufgestellt, um das Druckgeschäft an vorderster Stelle mitzugestalten und den Herausforderungen der Branche flexibel und angemessen zu begegnen.

 

Solide Planung aller Investitionen

Investitionen werden bei Mohndruck von einem eigenen Team aus Ingenieuren und Drucktechniker vorbereitet und technisch und wirtschaftlich nach allen Seiten abgeklopft. Denn fast im Jahresrhythmus wird eine neue Rotation inklusive Peripherie installiert. Da die Schneidtrommel wie gesagt bei kleineren Formaten zu Abstrichen in der Produktivität neigt, hat sich das Team näher mit dem Prinzip der Fließschneider beschäftigt und das Angebot überprüft. Hier stieß man relativ schnell auf Merten Maschinenbau/IN-LOG, deren IN-LOG Fließschneider bereits in Verbindung mit 96-Seiten-Rotationen wiederholt ihre Feuertaufe bestanden haben. Bei der Vorbereitung einer Investition in dieser Größenordnung geht es aber nicht nur um rein technische Fragen, sondern auch die Planung und Integration spielen eine wichtige Rolle.

 

Zusammenarbeit mit einem Hersteller

Die Platzverhältnisse für die 96-Seiten-Roation waren von Anfang an sehr beengt. Dort, wo früher zwei 32-Seiten-Rotationen standen, musste die neue Rotation mit ihren 2 Falzapparaten und sechs Falzausgängen räumlich das Auslangen finden, was natürlich auch extreme Herausforderungen an die Streckenführung darstellte. Merten/IN-LOG konnte hier mit einer soliden und teilweise außergewöhnlichen Planung überzeugen. So mussten etwa tragende Steher innerhalb des Gebäudes umgangen werden, was Merten dadurch gelöst hat, dass man mit einer Hochförderstrecke direkt durch den Falzapparat ging. „Merten/IN-LOG hat sich in der ganzen Planungsphase, die sich über ein Jahr hinweg streckte, immer wieder mit Verbesserungsvorschlägen eingebracht. Genauso stellen wir uns die Zusammenarbeit mit einem Hersteller vor“, betont Roland Witte.

 

 

Tragende Steher innerhalb des Gebäudes mussten umgangen werden, was Merten dadurch gelöst hat, dass man mit einer Hochförderstrecke direkt durch den Falzapparat ging.

 

 

Wichtig war es Mohn Media auch, die Fließschneider in die vorhandene EDV-Welt der Ferag zu integrieren und das hat sich eigentlich nur Merten zugetraut. „Für uns war das ein absolutes K.-o.-Kriterium und gab letztendlich den Ausschlag für Merten Maschinenbau“, versicherte Jens Klingebiel. Dadurch kann der eingespielte Workflow beibehalten werden und die Mitarbeiter arbeiten an den Anlagen im Bereich Postpress und Logistik mit optimal aufbereiteten Daten. Was natürlich einen nicht unwesentlichen Betrag dazu leistet, die Rüstzeiten kurz zu halten. Aber dazu später mehr.

 


Die beiden Fließschneidelinien RT/1140S bringen jeweils bis zu 135.000 Exemplare pro Stunde auf Format.

 

Die Rotation gibt den Takt vor

Punkto Flexibilität hat Mohn Media der Rotation im Druck, aber auch in weitere Folge der Druckweiterverarbeitung, einiges abverlangt. Die Rotation verfügt über ein liegendes und ein stehendes Falzwerk und ermöglicht vielfältige Gestaltungsformen. In einem umfassenden Pflichtenheft wurde festgehalten, welche Produkte, Umfänge, Formate in welcher Nutzenanzahl und welcher Geschwindigkeit auf den Postpress-Linien zu erzielen sind. Die Umfänge schwanken zwischen 8 und 96 Seiten.Darüber hinaus lassen sich Produkte leimen, heften, mit einem Register oder einer Klappe versehen und das inline auf der Druckmaschine. Der Takt der Druckmaschine, in diesem Fall 45.000 Zylinderumdrehungen, gibt auch jenen für die Druckweiterverarbeitung vor, der allerdings bei einer Mehrfachnutzen-Produktion um ein Vielfaches ansteigen kann.

 

Reserven ausreizen

Ein Beispiel ist die Produktion eines Sechzehn-Seiters in sechs Nutzen auf der 96-Seiten-Rotation, die somit einen Ausstoß von 270.000 Exemplaren in der Stunde erzielt. Die beiden Fließschneidelinien RT/1140S teilen sich diese Aufgabe und bringen jeweils bis zu 135.000 Exemplare pro Stunde auf Format. „Da wir sehr oft im Mehrfachnutzen produzieren, reizen wir diese Reserven der Fleißschneider auch tatsächlich aus“, bestätigt der Abteilungsleiter Technologie und fährt weiter fort: „Alles was im Pflichtenheft punkto Umfang, Format und Geschwindigkeit festgelegt wurde, konnten wir in der Praxis auf Punkt und Beistrich erreichen. Gerade bei den Druckformaten haben wir jetzt eine unglaubliche Flexibilität gewonnen.“

Die Fließschneider RT/1140S, ausgestattet mit der neuen Messertechnologie LQC 30, garantieren selbst bei maximalen Geschwindigkeiten, Seitenzahlen und Grammaturen eine hohe Qualität und Standzeit.

 

Sehr geringe Rüstzeiten

Durch die vollautomatische Formatabspeicherung der gesamten Postpress-Anlagen von Merten/IN-LOG können die Rüstzeiten auf ein absolutes Minimum gehalten werden. Wie das Postpress-Team berichtet, liegen sehr geringe Rüstzeiten vor, wodurch man extrem schnell wieder in Produktion sei. Aber auch punkto Makulatur können die Fließschneideanlagen den Schneidtrommeln das Wasser reichen. Wie weit der Automatisierungsgrad mittlerweile vorangeschritten ist, verdeutlich auch, dass vom Rollenwechsler der Rotation bis zum Roboter, der die Produkte auf die Palette ablegt, gerade einmal fünf Mitarbeiter tätig sind.


Wie das Postpress-Team berichtet, liegen sehr geringe Rüstzeiten vor, wodurch man extrem schnell wieder in Produktion sei.

 

Der gesamte Betrieb bei Mohn Media ist auf eine 24/7-Produktion ausgelegt, was natürlich hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit der gesamten Technik stellt. Hier konnte sich Merten Maschinenbau/IN-LOG von Anfang an positiv in Szene setzen und schon in der ersten Woche die Anlage im Dreischicht-Betrieb fahren. Und bereits ab der vierten Woche ist dann alles im Normalbetrieb, sprich im Vierschicht-Betrieb, gelaufen. Unterstützt wurde die kurze Anlaufphase durch die einfache Bedienbarkeit der Postpress-Anlage und durch die intensive Schulung und Begleitung durch Merten Maschinenbau/IN-LOG.

 

Gesteckte Ziele erreicht

Abschließend versichert Roland Witte, dass Merten Maschinenbau/IN-LOG in der Angebotsphase mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen konnte. In diesem Zusammenhang habe man sich nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die laufenden Kosten genau angesehen. In der Umsetzung habe sich gezeigt, dass das Unternehmen das gesamte Projekt in einer absolut professionellen Art und Weise umgesetzt hat und sich die gesteckten Ziele in vollem Umfang erreichen ließen.